Atelier für Maltherapie, Farbdialog und Astrologie
Der Symbolgehalt der Farben wird nur exemplarisch anhand relativ
allgemeingültiger Symbolbedeutungen (der abendländischen Kultur) aufgezeigt.
Die Farben besitzen einen evokatorischen Wert: sie können bestimmte Gefühle und
Stimmungen hervorrufen und somit auf das Gemüt wirken.
Im Zusammenhang mit der Farbsymbolik stellt Jolande Jacobi (1992) fest,
dass jede Farbe einen Doppelaspekt (Polyvalenz) hat. Demnach kann eine Farbe
einerseits Positives und andererseits auch Negatives symbolisieren,
Polarisieren. Beispielsweise repräsentiert Rot
Liebe aber auch Aggressivität und Wut.
Neben der kollektiven Farbsymbolik, welche kulturell festgelegt ist,
existiert auch eine individuelle Farbsymbolik, die bei der Betrachtung einer
ästhetischen Objektivation nur zusammen mit dem Gestalter erarbeitet werden
kann.
Es gibt Farben, die Nähe oder Ferne ausdrücken, die als aktivierend oder
beruhigend, als warm oder kalt empfunden werden. Zu den warmen Farben zählen
Rot, Orange und
Gelb. Sie gelten auch als männliche Farben.
Goethe spricht hier von den Farben der Plusseite, die er als regsam, lebhaft
und strebend beschreibt. Blau,
Grün und Violett
sind kalte Farben und werden als weibliche Farben bezeichnet. Goethe ordnet
diese Farben der Minusseite zu, da sie unruhige, weiche und sehende Gefühle
hervorrufen und introvertiert wirken.
Im Folgenden sollen nun einige wichtige Wirkungen und kollektive
Symbolbedeutungen der verschiedenen Farben dargelegt werden. Die Wirkung
einer Farbe hängt auch sehr von ihrer Nuance und Helligkeit ab.
Für die Tatsache, dass Farben
als Energiestrahlung vom menschlichen Körper deutlich wahrgenommen werden,
erbrachte der Begründer der rationalen Lichttherapie, Professor Nils Finsen,
den wissenschaftlichen Beweis. Für seine Forschungsarbeit über Licht und
Farben erhielt er 1903 den Nobelpreis für Medizin. Er konnte nachweisen,
dass Farben selbständige Kräfte sind und ihre Wirkung nichts mit Suggestion
zu tun hat. Seine Versuche zeigten eindeutig, dass Farbschwingungen, die auf
den menschlichen Körper treffen, diesen zu deutlichen Reaktionen
veranlassen.
Farben ziehen die
Aufmerksamkeit auf sich. Sie lösen beim Betrachter Gefühle und Assoziationen
aus und können zu unbewussten Reaktionen führen. Diese Wirkungen entstehen
aus Erfahrungen, die verinnerlicht wurden - Erfahrungen, die nicht unbedingt
persönlicher Art sein müssen, sondern die auch aufgrund jahrhundertealter
Überlieferungen innerhalb eines Kulturkreises lebendig sind.
Farben haben auch einen
Symbolcharakter. Zwischen den einzelnen Kulturkreisen gibt es Unterschiede
in der Symbolzuordnung von Farben, die durch die unterschiedlichen
Lebensweisen bedingt sind.
Das reine Gelb ist eine warme Farbe. Ihr kommt eine positive, aktive Wirkung
zu. Sie strahlt eine exzentrische Bewegung aus und geht auf den Betrachter
zu (Kandinsky 1952).
Reines und helles Gelb wird als heiter, munter, angenehm und sanft reizend
empfunden und löst ein behagliches und warmes Gefühl aus. Gelb wirkt
anregend und befreiend.
Getrübtes Gelb oder Gelbgrün wirkt kränklich. Es hat eine unangenehme
Wirkung und gilt als Farbe der Schande, des Abscheus und Missbehagens.
Die Wirkung des Gelbs ist also sehr unterschiedlich und hängt davon ab, ob
es eher zum Rötlichen oder zum Grünlichen hin tendiert.
Reines Gelb kann beispielsweise als Symbol für Sonne, Macht, Einsicht, und
Verstand stehen. Grelles, grünliches Gelb kann Wahnsinn, Falschheit,
Misstrauen und Zweifel symbolisieren oder für Neid, Hass und Eifersucht
stehen.
Gelb ist die Farbe der Sonne.
Sie vermittelt Licht, Heiterkeit und Freude. Sie steht auch für Wissen,
Weisheit, Vernunft und Logik und Kommunikation
Schmutzige Gelbtöne dagegen vermitteln negative Assoziationen wie Täuschung,
Rachsucht, Pessimismus, Egoismus, Geiz und Neid.
In
Orange (Rotgelb) steigert sich nach Goethe die Energie und Wirkung des Gelb
und es wirkt
noch mächtiger und herrlicher. Orange ist eine Farbe der Extraversion, denn
es strahlt nach aussen (exzentrische Bewegung). Im
Gegensatz zum Gelb schwingt jedoch auch etwas Ernstes darin mit.
Orange ruft ein gesundes Gefühl hervor. Es vermittelt ein Gefühl von Wärme
und Wonne. Die Wirkung von Orange kann als erregend, heiter, freudig und
warm beschrieben werden.
Sie ist die Symbolfarbe für Optimismus und
Lebensfreude. Sie signalisiert Aufgeschlossenheit, Kontaktfreude und
Jugendlichkeit, Gesundheit und Selbstvertrauen. Sie kann aber auch
Leichtlebigkeit, Aufdringlichkeit und Ausschweifung vermitteln und wird in
unserer Gesellschaft oft als billig und unseriös empfunden.
Orange ist die Farbe der untergehenden Sonne.
Gelbrot (Zinnober) ist die Steigerung des
Orange. Der aktive Aspekt erscheint hier in der höchsten Energie. Diese
warme Farbe drängt sich ihrem Betrachter auf.
Das warme Rot hat eine aktivierende, anregende Wirkung auf das vegetative
Nervensystem, so dass es eine Steigerung der Puls- und Atemfrequenz und
einen Anstieg des Blutdrucks hervorruft. Hieraus ergibt sich seine
Verbindung zur Emotionalität und zum Affektiven. Die Wirkung des Rot kann
als stark erregend, erwärmend und vitalisierend bezeichnet werden.
Rot symbolisiert beispielsweise Blut, Feuer, Liebe, Leidenschaft, Vitalität
und Revolution. Nach Jacobi kann es gleichzeitig Ausdruck des Teuflischen,
des Lasters oder der Lebensbedrohung sein.
Rot ist die Farbe des Feuers.
Sie erregt Aufmerksamkeit, steht für Vitalität und Energie, Liebe und
Leidenschaft.
Sie kann jedoch auch aggressiv und aufwühlend wirken, da sie auch Wut,
Zorn und Brutalität verkörpert
Blau hat eine ruhige und kühle Wirkung. Als
eine Farbe der Introversion drängt sich Blau nicht auf, sondern weicht vom
Menschen zurück und bewegt sich zum eigenen Zentrum hin (konzentrisch).
Dunkelblau erzeugt eine ernste Stimmung, wirkt deprimierend und traurig,
während Hellblau das Gefühl von Weite und Ferne erzeugt.
Blau kann unter anderem Treue und Sehnsucht, das Übersinnliche und das
Geistig-Seelische symbolisieren. Dunkelblau kann das Unbewusste, die Nacht,
Ruhe oder auch den Tod repräsentieren.
Blau ist eine kühle Farbe. Sie ist die Farbe
des Himmels. Sie steht für Ruhe, Vertrauen, Pflichttreue, Schönheit,
Sehnsucht.
Sie kann aber auch Traumtänzerei, Nachlässigkeit oder Melancholie
vermitteln.
Cyan, in der Umgangssprache auch Türkis
genannt, ist eine frische Farbe. Es ist die Farbe des Meers an einem
sonnigen Tag.
Sie vermittelt Wachheit, Bewusstheit, Klarheit, geistige Offenheit und
Freiheit.
Cyan kann aber auch sehr kühl und distanziert wirken und ein Gefühl von
Leere vermitteln.
Violett (Blaurot, Rotblau) bewegt sich vom
Menschen weg und wirkt kühl. Im Violett verbinden sich sowohl
erregende als auch hemmende Anteile. Violett strahlt etwas Trauriges aus und
wirkt unruhig. Es kann für Trauer, Würde und Entsagung stehen.
Violett ist eine würdevolle Farbe. Sie ist die
Farbe der Inspiration, der Mystik, Magie und der Kunst. Sie ist eine
aussergewöhnliche, extravagante Farbe, die auch mit Frömmigkeit, Busse und
Opferbereitschaft in Verbindung gebracht wird.
Sie kann aber auch stolz und arrogant oder unmoralisch wirken.
Magenta, im Bereich der Mode auch Pink genannt,
ist eine sanfte Farbe. In der Natur erleben wir sie hauptsächlich als Farbe
von Blüten. Sie steht für Idealismus, Dankbarkeit, Engagement, Ordnung und
Mitgefühl.
Sie hat aber auch etwas von Snobismus, Arroganz und Dominanz.
Grün kann symbolisch für Wachstum, Natur, Hoffnung und Ruhe
stehen.
Ein ausgewogenes Grün strahlt Unbeweglichkeit und Ruhe aus, da sich die
exzentrische Bewegungen des Gelb und die konzentrische Bewegung des Blau
aufheben. Grün hat eine passive Wirkung. Die Abwesenheit von Bewegung wird
als wohltuend empfunden, kann aber nach einiger Zeit langweilig werden. Grün
wirkt positiv beruhigend auf das Gemüt und vermittelt
den Eindruck von Stillstand.
Die Wirkung des Grün ist sanft, freundlich und friedvoll.
Natürlich hat auch das Grün je nach Nuance eine unterschiedliche Wirkung.
Während Hellgrün
lebendig, jugendlich, und etwas wärmer wirkt, löst Dunkelgrün ernste und
nachdenkliche
Gefühle aus. Mittelgrün wird als die
Farbe des Ausgleichs und der Zufriedenheit beschrieben.
Grün ist
die Farbe der Wiesen und Wälder.
Sie ist eine beruhigende Farbe. Sie steht für Grosszügigkeit, Sicherheit,
Harmonie, Hoffnung, Erneuerung des Lebens.
Sie kann aber auch Gefühle wie Neid, Gleichgültigkeit, Stagnation und
Müdigkeit vermitteln.
Weiss wirkt nach Kandinsky auf die Psyche wie
ein "großes Schweigen". Weiss bewegt sich nach aussen, es wirkt
exzentrisch.
Das reine Weiss kann als Symbol fr das Gute, die Unschuld und Reinheit
stehen. Stumpfes Weiss hingegen kann Tod,
Leere und Trostlosigkeit symbolisieren.
Weiss ist
die Farbe von Eis und Schnee. Sie
ist ein Symbol der Reinheit, Klarheit, Erhabenheit und Unschuld. Sie gilt
aber auch als Zeichen der Unnahbarkeit, Empfindsamkeit und kühler
Reserviertheit.
Nach
Kandinsky wirkt das Schwarz erloschen und unbeweglich. Riedel schreibt ihm
eine zunhemmende und blockierende Wirkung zu. Schwarz verkörpert
beispielsweise Tod, Trauer, Nacht und das Böse. Schwarz hat die
Eigenschaft alles aufzunehmen, im Schutze der Dunkelheit ist alles
verborgen.
Grau wirkt erstickend und ruft Gefühle von
Unbeweglichkeit und Trostlosigkeit hervor. Grau kann als Symbol für
Trübsinn, Pessimismus und Alter gesehen werden. Es kann auch für
Leblosigkeit, Melancholie und Lebensunlust stehen. Grau bekennt nicht Farbe!
Schliesslich bleibt noch das
Braun, dem Jacobi beim Malen aufgrund seines kotartigen Charakters eine
entkrampfende und erlösende Wirkung zuschreibt. Riedel spricht ihm eine
passiv aufnehmende und empfindende Wirkung zu.
Braun kann als Symbol für die Mutter Erde und Erdhaftigkeit verwendet
werden. Braun hat ebenfalls mit Macht und Ohnmacht zu tun.